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Beiträge zur Tantra

Osho über die Kunst der Massage

Massieren ist etwas, das du zwar anfangen kannst zu lernen, aber du kommst nie an ein Ende. Es geht immer weiter und weiter, und die Erfahrung wird ständig tiefer und tiefer, höher und höher. Massage ist eine der subtilsten Künste – und es ist nicht einfach nur eine Sache der Kunstfertigkeit. Es ist mehr eine Sache der Liebe.
Lerne die Technik – und vergiss sie wieder. Danach fühle nur und lass dich von deinen Gefühlen leiten. Wenn dein Lernen tief geht, werden neunzig Prozent dieser Arbeit durch Liebe geschehen, zehn Prozent erledigt die Technik. Durch die bloße Berührung, eine liebevolle Berührung, entspannt sich etwas im Körper.
Wenn du liebst und für den anderen mitempfindest und dir seines höchsten Wertes bewusst bist, wenn du ihn nicht wie einen Mechanismus behandelst, den man in Ordnung bringen muss, sondern wie eine unendlich kostbare Energie, wenn du dankbar bist, dass er dir vertraut und dir erlaubt, mit seiner Energie zu spielen – dann wirst du ganz allmählich das Gefühl haben … wie im Innern des Körpers eine Harmonie entsteht.
Die Welt braucht Massage, weil die Liebe aus ihr verschwunden ist. Früher genügte eine bloße Berührung aus Liebe. Eine Mutter berührte ihr Kind, spielte mit seinem Körper, und es war Massage. Der Mann spielte mit dem Körper seiner Frau, und es war Massage; das war genug, mehr als genug. Es war tiefe Entspannung und gehörte zur Liebe. Doch das ist aus der Welt verschwunden …
Sei also andächtig. Wenn du den Körper eines Menschen berührst, sei andachtsvoll – als ob Gott selbst anwesend wäre und du ihm nur dienst. Ströme mit aller Energie. Und wann immer du spürst, wie der Körper in Fluss gekommen ist und die Energie eine neue Harmonie schafft, wirst du ein Entzücken spüren wie niemals zuvor. Du wirst in tiefe Meditation fallen.
Während du massierst, massiere nur. Denke nicht an irgendwelche anderen Dinge, denn das sind alles Ablenkungen. Sei in deinen Fingern, in deinen Händen, als würde dein ganzes Sein, deine ganze Seele sich dort sammeln. Lass es nicht nur eine Berührung des Körpers sein. Deine ganze Seele tritt in den Körper des anderen ein, durchdringt ihn, löst die tiefsten Verspannungen.
Und mache es zu einem Spiel. Übe es nicht wie einen Job aus; lass es ein Spiel und ein Vergnügen sein. Lache und bringe auch den anderen zum Lachen.
Beim Massieren trittst du mit der Lebendigkeit eines anderen Körpers in Verbindung und spürst, wo sie fehlt. Du fühlst, wo der Körper unvollständig ist, und machst ihn ganz. Du hilfst der Körperenergie, nicht länger zersplittert, nicht länger im Widerstreit zu sein. Wenn sich die Energien des Körpers aufeinander einstimmen und zum Orchester werden, hast du dein Ziel erreicht.
Gehe also sehr respektvoll mit einem menschlichen Körper um. Er ist ein Tempel Gottes, der heilige Schrein. Lerne deine Kunst mit tiefer Ehrfurcht, mit Hingabe. Sie ist eines der schönsten Dinge, die du lernen kannst.
Quelle: Sprengt den Fels der Unbewusstheit
»Kosmischer Orgasmus«

Erotische Bleistiftzeichnung

Bringt der Orgasmus uns Gott näher? Nicht unbedingt

Wilhelm Reich ist der Begründer der modernen ganzheitlichen Körpertherapien. Ein Eckpunkt seiner Theorie ist die Überzeugung, dass der Orgasmus nicht nur ein Schlüssel zum menschlichen Glück ist, sondern dass der volle Orgasmus des nicht mehr psychosomatisch blockierten und gepanzerten Menschen mit einer neurotischen Psyche unvereinbar ist. Der indische Mystiker Osho, der in den 70er Jahren als Sexguru bekannt wurde, schließt sich dem an und fügt die spirituelle Dimension noch hinzu: Im Orgasmus bist du Gott nahe! Advaita Maria Bach arbeitet seit dreißig Jahren mit den Methoden sowohl von Reich wie von Osho, sieht das inzwischen jedoch etwas nüchterner

Mit vier Jahren entdeckte ich zufällig, dass ich mir durch Aneinanderpressen der Oberschenkel ein lustvolles Gefühl verschaffen konnte. Das Wort »Lust« allerdings kannte ich nicht; es gehörte nicht zum täglichen Sprachgebrauch in unserer Familie, noch weniger natürlich der Begriff »Orgasmus«.

Spektakulär daran war vor allem die Folge dieses angenehmen Gefühls zwischen den Beinen: Direkt während des Orgasmus erschien mir, bei geschlossenen physischen Augen, ein riesengroßes goldenes Auge vor nachtschwarzen Hintergrund. Durch die Pupille dieses Auges konnte ich abtauchen in einen unendlichen Raum, in dem ich mich schwerelos fühlte. Diese Schwerelosigkeit war nicht etwa beängstigend, sondern bloß merkwürdig; sie machte mich auch nicht im üblichen Sinne glücklich. Wann immer ich mich stimulierte, konnte ich dieses Geschehen initiieren. Es war sehr geheimnisvoll und erlöste mich für kurze Zeit von der oft als unerträglich erfahrenen Umwelt. Wenn ich das goldene Auge erlebte, vergaß ich die Zeit und konnte so hinterher nie sagen, wie lange es gedauert hatte. Fünf Minuten, zehn Minuten, eine halbe Stunde? Es hing eher davon ab, wann ich gestört wurde, lebten wir doch zu viert in einem einzigen, wenn auch sehr großen Zimmer. Ich fühlte intuitiv, dass ich dabei besser leise sein sollte, und ich erzählte niemandem davon. Dieses Geheimnis gehörte nur mir, mir allein. Dachte ich.

Die Zerstörung des Mysteriums

»Eines Tages, ich war gerade wieder im Weltraum masturbatorisch unterwegs, hörte ich die scharfe Stimme meiner Mutter: »Maria, was machst du da?«

Eines Tages, ich war gerade wieder im Weltraum masturbatorisch unterwegs, hörte ich die scharfe Stimme meiner Mutter: »Maria, was machst du da?« Ich wusste nichts zu antworten, standen mir doch gar keine Worte zur Verfügung für mein »Machen« oder Erleben! Meine Mutter versuchte mir, klar zumachen, dass diese Aktivität »unanständig« war und dass ich sie lassen sollte. Ich schwieg dazu und machte heimlich weiter, wann immer es möglich war. Doch das goldene Auge erschien mir nun nicht mehr. Ich konnte machen, was ich wollte, der Weltenraum, die Schwerelosigkeit, das Geheimnis, das Mysterium, es war zerstört durch die Worte meiner Mutter, durch das Gift des Schuldgefühls, obwohl die Lust, mein kleiner vierjähriger Orgasmus, rein körperlich noch funktionierte.

Sie hat mich nicht geschlagen, sie hat mich nicht mit demütigenden Worten verdammt, ihre Stimme beruhigte sich auch nach der ursprünglichen Schärfe, die wohl eher ihrem eigenen Erschrecken entsprungen war; eher liebevoll und geduldig erklärte sie mir die Unanständigkeit. Katholisch erzogen, wie sie war, glaubte sie wohl, mich zu behüten.

Heute, viereinhalb Jahrzehnte später, fühle ich auf ein Mal, beim Schreiben dieser Zeilen, etwas Mulmiges in der Magengrube – es ist nicht zu fassen: Angst davor, erwischt zu werden! Meine Mutter ist schon zehn Jahre tot, und ich selbst bin inzwischen Großmutter – wie tief sind doch die in der Kindheit verankerten Reflexe!

Seitdem habe ich ungezählte Orgasmen verschiedenster Dauer und Qualität erlebt, und doch scheint es mir, als sei das goldene Auge ein Schlüsselerlebnis gewesen, das auf jeden Fall mitspielte, als ich mit zweiunddreißig Jahren auf meine Lehrerin Margo Anand traf und auf die bis heute spirituell wichtigste Meisterfigur meines Lebens: Osho, damals hieß er noch Bhagwan Sri Rajneesh. In seinen Anfängen wurde er von den Medien als Sex-Guru bezeichnet, was in seiner späten Phase, selbst noch zu seinen Lebzeiten und heute erst recht, manchmal vergessen wird. Seine eigene tantrische Phase war in den Siebzigern des 20. Jahrhunderts – ich habe sie selbst leider nicht mehr miterlebt und kenne seine Äußerungen zum Tantra nur aus den Schriften, die alle Aufzeichnungen seiner Vorträge sind.

Der Shivalingam

Osho sagte viel über den Orgasmus. Zum Beispiel dies: »Orgasmus ist Ekstase. Orgasmus ist Verlorensein in der Zeitlosigkeit. Orgasmus ist, wenn dein ganzer Körper mit einer unbekannten Energie vibriert, die dir vorher nicht begegnet ist. Während des Orgasmus bist du Gott sehr nahe.

»Während des Orgasmus bist du Gott sehr nahe«— Osho

Das Wort &rdaquo;Orgasmus&ldaquo; kommt von &rdaquo;Orgia&ldaquo; – das war eine religiöse Zeremonie, eine heidnische Zeremonie: Wenn die Menschen sehr ekstatisch wurden, so ekstatisch, dass ihr ganzer Körper erfüllt war von göttlicher Energie und sie fast platzten vor lauter Energie, und sie sich in dieser Energie geradezu verloren hatten, dann nannten sie das Orgie – es war so etwas wie Tantra. Es war dionysisch – das ist die Wurzel des Wortes &rdaquo;Orgasmus&ldaquo;.

Männer fühlen ihn selten. Wenn dein ganzer Körper zittert, nicht nur dein sexuelles Organ, wenn du von den Zehen bis zum Kopf ein sexueller Orgasmus wirst, dann wirst du ein sexuelles Organ … das ist das Symbol des Gottes Shiva; du musst es in Indien gesehen haben, das Shivalingam. Manche wundern sich und sagen: &rdaquo;Wo sind die Augen, und wo ist die Nase, und wo ist der Mund, und wo sind die Beine? Und was für eine Art Darstellung ist dies?&ldaquo; Das ist das Symbol des Orgasmus: Wenn sich der ganze Körper in dieses Organ verwandelt. Augen, Mund, Körper, Geist – alle lösen sich auf in Sexualität, in Sinnlichkeit, in eine Art immenser Empfindsamkeit. Das ist die Bedeutung des Shivalingams.« (aus: »Fly without wings, walk without feet, and think without mind«)

Der Orgasmus als Tor zur Spiritualität

An anderer Stelle behauptet Osho, dass die orgasmische Erfahrung Grundlage sei nicht nur für das Tantra, sondern auch für den Sufismus, den Taoismus und den Zen-Buddhismus. Er sagte, dass die Qualität der Zeitlosigkeit beim Orgasmus den weisen Begründern dieser spirituellen Traditionen gezeigt hätte, dass das auch »für immer« möglich sein müsse. Hier würde eine kleine Tür für den Geist aufgehen, wo er sich von der Bedingtheit der Zeit lösen und in die Unendlichkeit aufschwingen könne. Auf diese Weise hätten sie die Meditation entdeckt, ihre diversen Methoden entwickelt und natürlich auch die »Erleuchtung«.

In Bezug auf meine eigene frühkindliche Erfahrung kann ich dieser Aussage zunächst zustimmen, erst einmal hundertprozentig. Das war Tantra, das Zusammenfallen von sexueller Tätigkeit und meditativer Ruhe des alltagsgeschwätzigen Geistes. Und das auch noch vollkommen aus sich selbst heraus, ohne jede Anstrengung! Und das kosmische Licht-und Raumerlebnis war noch mit eingeschlossen! Nur … bis heute und trotz fast drei Jahrzehnten Tantra erscheint mir das goldene Auge keineswegs automatisch bei jedem Orgasmus, sei er nun tantrisch initiiert oder »normal«.

Zu Oshos Zitat möchte ich noch darauf hinweisen, dass bei den dionysischen Ritualen, soweit mir bekannt ist der rituelle, wilde Gruppensex auch durch berauschende Getränke – und keineswegs nur Wein – stimuliert wurde und betörende Musik eine Rolle dabei spielte. Die Beteiligten kamen nicht durch Sex allein in die tranceartige Nähe zu den Göttern.

Außerdem würde ich Osho gerne fragen: Selbst im Leben eines ganz normalen Menschen, gibt es da nicht auch andere Augenblicke, in denen er der Meditation und der Stille nahekommt? Zum Beispiel bei ergreifenden Naturerlebnissen?

Zwischen Kontrollieren und Loslassen

Hinzu kommt, dass im klassischen, rituellen Tantra der Orgasmus kunstvoll kanalisiert und kontrolliert wird, um die sexuelle Energie den höheren Chakras zuzuführen. Dort wird also sehr bewusst versucht, die sexuelle Energie in spirituelle Energie umzuwandeln.

»Nicht jeder sexuelle Akt, auch nicht jeder befriedigende sexuelle Akt hat Nähe zu göttlichen Dimensionen«— Advaita Maria Bach

Der Sadhaka (Praktizierende) befindet sich im tantrischen Ritual im Grunde die ganze Zeit zwischen den zwei Polen des Kontrollierens und des Loslassens – mit einfacher Unschuld und dem Eintauchen in die sexuelle Energie allein ist es hier nicht getan. Es ist eine sehr komplexe Angelegenheit, die damit zu tun hat, dass wir als Erwachsene immer die selbstverständliche, unschuldige, kindliche Nähe zum Göttlichen verlieren, und dass es eine Menge Arbeit ist, auf einer erwachsenen Stufe diese Nähe wieder herzustellen. Nicht jeder sexuelle Akt, auch nicht jeder befriedigende sexuelle Akt hat Nähe zu göttlichen Dimensionen.

Bei allem, was Osho über Tantra sagt, war mir immer bewusst, dass er über die Essenz spricht, nicht über Details der tantrischen Praxis.

Bringt Sex uns Gott näher?

Zu seiner Aussage über Shivalingam: Irgendwann in meinem tantrischen Liebesleben befand ich mich in einer sehr tiefen Vereinigung. Die Bewegungen meines Beckens wurden immer rhythmischer, jenseits meines Willens, in einer mir bis dahin unbekannten Dimension. Wir waren, ich war nur noch Rhythmus, Atem, Stöhnen – und plötzlich öffnete sich in meinem dritten Auge eine Vision: Ich sah die Menschheit als Hecke in meinem ganzen inneren Gesichtsfeld – alle in Vereinigung, sie steckten ineinander, bewegten sich rhythmisch wie wir, auseinander geboren werdend, sich wieder dem Akt hingebend, stöhnend, mal getrieben, manche mit animalischen Gesichtern, manche selig verschmelzend mit edel-entrücktem Gesichtsausdruck, ineinander sterbend, aber sobald einer starb, wurde er ersetzt und eine neue Person nahm den Platz in der Hecke ein und vereinigte sich – aber alle folgten einem Naturgesetz, stärker als jedes einzelne Individuum, und auch die Qualität der einzelnen Vereinigung spielte hier keine Rolle! Dann wurde alles immer schneller, wie durch ein umgekehrtes Fernrohr gesehen verschwand der Blick auf Einzelheiten, die Hecke mutierte in ein endloses Lichterband, in ein Myriaden umfassendes Lichterband.

Mir war intuitiv klar: Jedes Individuum ist ein Lichtpünktchen. Auch ich, mein Partner, jeder, selbst der bedeutendste Mensch ist angesichts der Unendlichkeit kosmischer Vorgänge in der Schöpfung ein Nichts! Ein winziger Bestandteil, ein Atom.

Erotische Bleistiftzeichnung

Dann wurden mein Partner und ich in die Vision hineingezogen, und damit hörte sie auf! Stärker habe ich nie die allumfassende Gesetzmäßigkeit und Kraft der Sexualität gesehen. Die Erfahrung war egozerstörend. Dennoch konnte ich anderen, denen ich davon erzählte, nicht klar machen, dass es trotzdem nicht schlimm war! Die Erkenntnis ist erschreckend: So unwichtig der Einzelne! Aber sie hatte auch etwas Erlösendes. Obwohl es nicht »Seligkeit« war im üblichen Sinne.

Tatsächlich übersteigt die Beschreibung dieses Erlebnisses meine sprachlichen Fähigkeiten. Ich kann es einfach nicht besser in Worte fassen, ich kann mein Gefühl nicht besser sprachlich ausdrücken, als ich es hier getan habe.

Soviel an dieser Stelle zur Nähe von mystischen Erfahrungen und Orgasmus.

Danach hatte ich noch viele Vereinigungen, aber diese Erfahrung wiederholte sich nicht. Es gab noch viele andere mystische, tantrische Erfahrungen – die überlasse ich im Augenblick dem fruchtbaren Schoß des erinnerten, aber noch nicht erzählten Schatzes an Ereignissen zutiefst spiritueller Qualität.

Widersprüche

Ich möchte mich jetzt einmal den Widersprüchen widmen, die sich auftun, wenn man es sich zu einfach macht mit dem Thema. Dabei geht es um Wilhelm Reich, um »Die Funktion des Orgasmus«, um Osho und meine Erfahrungen mit Seminarteilnehmern und natürlich auch um die eigene Person.

Ausnahmsweise geht es hier nicht um den klitoralen, vaginalen, multiplen oder häufig blockierten Orgasmus – darüber habe ich schon oft geschrieben, in connection und in anderen Zeitschriften. Sondern ich möchte ein Paradoxon beschreiben, das mit der Körpertypenlehre einher geht, die von Reich mit der »Charakteranalyse« begonnen wurde, dann von Alexander Lowen weitergeführt und von Bäurle teilweise zu humorvoll beschrieben wurde (in dem Buch »Körpertypen – Vom Typentrauma zum Traumtypen«). Ich habe diese Körpertypenlehre in meiner körpertherapeutischen Arbeit der vergangenen dreißig Jahre immer wieder bestätigt gefunden. Meine Kritik daran möchte ich für diesmal hintanstellen.

Die Körpertypenlehre ist die systematische Wissenschaft von den Muskelpanzern, die im Becken den Orgasmusreflex behindern, im Gesicht ein künstliches Lächeln einfrieren und uns manchmal Schmerzen machen und die manchmal so chronisch sind, dass wir sie gar nicht mehr merken.

Die fünf Körpertypen

Kurz zur Auffrischung oder für die Leser, die davon noch nicht gehört haben: Es gibt fünf Grundtypen: den Oralen (dünn und bedürftig), den Schizoiden (dünn und ängstlich), den Masochisten (beleibt, muskulär am stärksten gepanzert, vor allem an den Schultern), den Psychopathen (wohlproportioniert, in Lowens Sprache »phallisch-narzistisch«), den Rigiden (eher athletisch, leistungsbetont). Natürlich sind die meisten Menschen Mischtypen, und man muss sich schon gut auskennen, um wirklich damit zu arbeiten, doch auch das soll hier mal Nebensache sein.

Die Körpertypen habe ich hier aufgezählt in der Chronologie der Zeit ihrer Entstehung in der Kindheit. Die erste drei gelten als genital nicht voll entwickelt, das heißt, sie haben aus sehr verschiedenen Gründen einen blockierten Orgasmusreflex und gelten – zumindest an der Oberfläche – als »ich-schwach« und feldabhängig. Die letzten beiden, der »Psychopath«, dessen Thema die Macht ist, und der »Rigide«, dessen Thema die Leistung ist, gelten als genital voll entwickelt, »ich-stark« und feldunabhängig. Diese beiden haben keine sexuellen Funktionsstörungen; ihr Orgasmusreflex ist nicht blockiert; sie gelten sexuell als verführerisch, aktiv und attraktiv. Wie passt das zusammen mit der Aussage, dass es beim Orgasmus auf die Hingabe ankommt; es heißt doch, der Orgasmus sei ein Ich-Verlust? Wieso können die Ich-starken sich sexuell eher hingeben als die, deren Ego schwächer entwickelt ist und die eine große Angst vor genau diesem Kontrollverlust haben, der zugelassen werden muss, um den Orgasmus zu erleben?

Die »orgastische Potenz«

Ich zitiere Wilhelm Reich über die »orgastische Potenz«, ein sehr wichtiger Begriff, der nicht verwechselt werden sollte mit der erektiven Potenz des Mannes: »Die erektive und ejakulative Potenz sind bloß unerlässliche Vorbedingungen für die orgastische Potenz. Sie ist die Hingabe an das Strömen der biologischen Energie ohne jede Hemmung, die Fähigkeit zur Entladung der hochgestauten sexuellen Erregung durch unwillkürliche lustvolle Körperzuckung. Kein einziger Neurotiker hat diese Fähigkeit, und die überwiegende Mehrheit der Menschen ist charakterneurotisch krank. Die Intensität der Lust im Orgasmus ist (beim angst-, unlust- und phantasiefreien Geschlechtsakt) abhängig von der Größe der auf das Genitale konzentrierten Sexualspannung, sie ist um so intensiver, je größer und steiler das Gefälle der Erregung ist.«

Nun, genau diese Fähigkeit haben die Rigiden und die (manipulativen) Psychopathen. Der manipulative Psychopath etwa hat keine Zeit, wenn der Partner krank ist oder aus sonst welchen Gründen einfach mal nur Freundschaft braucht. Aber er steht sofort auf der Matte und versichert, immer geliebt zu haben, wenn man sich jemand anders zuwenden will; oder weil man festgestellt hat, dass man in der Beziehung unterm Strich mehr draufzahlt. Das nennt man eine destruktive Beziehung, die viel Herzblut und Nerven kostet. Obendrein versteht es der Manipulator, dem Partner auch noch subtil Schuldgefühle zu vermitteln – für die eigenen Fehler. Der Leim in solchen Beziehungen ist immer der Sex.

Ist Don Juan erleuchtet?

Wir kennen sie unter anderem aus vielen tantrischen Szenarios: Sie haben viele Geliebte, sie sind echte Raketen und Tiger im Bett, auf keinen Fall lassen sie sich fangen in der Enge einer monogamen Beziehung. Sie sprechen immer von ihrer Freiheit – und sie lieben, sie lieben überhaupt als die einzig Wahren, weil Freiheit und Liebe Geschwister sind. Wir kennen sie aus der Literatur und Kunst: Es lebe Don Juan! Und natürlich Donna Juanita!!

Sie verschaffen den Partnern viele Orgasmen, kunstvoll, sanft, zärtlich, hingegeben. Aber: Sie bleiben immer Chef oder Chefin, sie dominieren das Geschehen. Und sie sind ein Beispiel dafür, dass Orgasmusfähigkeit eben doch relativ wenig mit Erleuchtung zu tun hat. Bioenergetisch gesehen sind sie im Brustbereich gepanzert: Das Herz schlägt in einer Rüstung, einer festen »Röhre« aus gepanzerten Muskeln, auch wenn es oft nicht so aussieht. Der Orgasmusreflex schaukelt bei ihnen sozusagen mitten in dieser Röhre zwischen Becken und Kopf vorbei und funktioniert wunderbar!

Ich möchte hier bitte nicht missverstanden werden: Ich bin nicht gegen Polygamie oder die Freiheit – nur manchmal versteckt sich etwas anderes hinter dem Schein der Oberfläche, als sie suggeriert. Das Herz ist der Schlüssel, es ist aber auch nicht die ganze Antwort: Im Herzen zu sein schenkt mir noch keinen Orgasmus. Für ein erfülltes Menschsein ist der schon recht wichtig.

Wir sind komplexe Wesen

Die Antwort liegt darin, dass wir als Menschen sehr komplexe Wesen sind und alle Ebenen unseres Daseins angeschaut und integriert werden müssen, um das ganze Potenzial als Mensch zu er- leben. Kein einzelner Aspekt trägt in sich die ganze Antwort. Auch die Physiker, so habe ich gehört, suchen seit Jahrzehnten die eine Formel, die die ganze Welt erklärt. Sie haben sie nicht gefunden, und angeblich ist in internen Diskussionen davon die Rede, dass man davon weiter denn je entfernt ist.

»Auf dem Weg zu einem glücklicheren Leben ist der Orgasmus nur ein Baustein. Hier irrte auch Reich«— Advaita Maria Bach

Zuletzt noch Osho über Reich: »Wilhelm Reich hat recht, wenn er sagt, dass, wenn wir der Menschheit den Orgasmus zurückbringen, werden fast neunzig Prozent der Geisteskrankheiten sofort verschwinden – wie Tautropfen am Morgen, wenn die Sonne kommt.«

Ach, ich wünschte mir von Herzen, die zwei hätten recht! Ich habe mich sehr darum bemüht, Menschen zu helfen, einen Orgasmus zu bekommen. Ich hatte in sehr vielen Fällen Erfolg, aber keineswegs hörten damit automatisch selbstzerstörerische und neurotische Verhaltensweisen auf, noch nicht ein Mal im Einzelfall. Auf dem Weg zu einem glücklicheren Leben ist der Orgasmus nur ein Baustein. Hier irrte auch Reich. Ich glaube Osho und Reich haben beide die Wirkung von Gewalt auf die Gesundheit der menschlichen Psyche unterschätzt.

Dennoch: Ich wünsche allen Lesern dieses Magazins ein orgastisches und orgasmusreiches Leben – mit Nähe zum mystischen, grenzenlosen inneren Raum. Möglich ist das schon.

— Advaita Maria Bach

Advaita Maria Bach (E-Mail), Jg. 1949, Stud. der Phil., Polit. und Soz. 1982–87 Ausbildung bei Margo Naslednikov im Skydancing Tantra. Seit 1987 eigener tantrischer Weg auf der Grundlage von Wilhelm Reich und den modernen Körpertherapien. Seit 1998 bietet Advaita eine fünfjährige Tantra-Lehrer Ausbildung an.
www.advaita-tantra.de


Titelseite connection special 84

 Geilheit und Tantra

Der bekannte Tantralehrer Andro ist der Meinung, dass Geilheit und Tantra zusammen gehören, ja er geht sogar so weit zu sagen: »Tantra ist Geilheit«. Wir haben hier einige Zitate aus seinem Aufsatz zusammen gestellt, die Geschmack machen sollen, den gesamten Artikel von Andro auf der Seite »Alternatives Heilen« zu lesen.

»Immer wieder taucht die Frage auf: Was hat Geilheit beim Tantra zu suchen?

Zunächst ein paar logische Gegenfragen zu dem Thema:
Ist Geilheit untantrisch? Ist die Abwesenheit von Geilheit Tantra?
Und schließlich: Wie funktioniert eine sexuelle Vereinigung ohne Geilheit?«
»Geilheit ist ein altersunabhängiger Zustand, den Greise ebenso wie Babys empfinden.«

»Im Zustand der Geilheit ist die Sinneswahrnehmung … gesteigert. Werturteile über Scham, Schönheit, Rang, Stand, Besitz, Rasse und Geschlecht sind relativiert oder aufgehoben. Die Zeitwahrnehmung ist verschoben, die Raumwahrnehmung und selbst der Geruchssinn sind verändert und die Eigenwahrnehmung ist gesteigert. Gefühlsregungen wie Neid, Hass, Eifersucht und Zorn sind weitgehend aufgehoben. Das Selbstwertgefühl ist gesteigert, die Liebe und Zuwendung zu jeglicher Kreatur erweitert, die Zielgerichtetheit der Handlungen konzentrativ und das Empfinden zur Vollendung verstärkt.«

Subjektive Feststellungen im Zustand der Geilheit sind beispielsweise:

»Ich habe mich total ganz gefühlt, von Kopf bis Fuß.«
»Ich fühle mich dann vollkommen gesund.«
»Auf einmal fühle ich mich schön.«
»Ich fühle mich dann gut.«
»In dem Moment bin ich ganz Frau.«
»Man könnte alles mit mir machen.«
»Ich habe keine Angst mehr gefühlt.«
»Meine körperlichen Schmerzen waren plötzlich vollkommen verschwunden.«
»Dann will ich empfangen, auch wenn ich verhüte.«
»Meine Konkurrenzangst ist in diesem Moment weg.«
»Wenn ich richtig geil bin, bin ich plötzlich nicht mehr eifersüchtig.«
»Alles sieht besser aus, schmeckt auf einmal besser und Unbequemlichkeiten stören mich nicht mehr.«
»In dem Augenblick vergesse ich alles. Nichts, nur noch die Körper sind wichtig.«
»Ich habe dann weder Hunger noch Durst.«
»Von mir aus könnte mir die ganze Welt zuschauen, wenn ich richtig geil bin«
»Wenn ich geil bin, ist mir egal, wie der/die Andere aussieht.«
»Ich möchte das immer haben, es sollte nie aufhören.«
»Das Herz tut richtig weh vor Freude.«

Andro

»In meinem geilen Schwanz fühle ich die Energie, in meiner geilen Möse spüre ich die Energie, in meinem Auge, das dies alles wahrnimmt, sehe ich die Energie, in meinem Geist, der dies erlebt, bin ich Energie, aus welcher ich entstanden bin, zu welcher ich zurückkehre, um im ewigen Kreislauf aller milliardenfachen Varianten der Energie die schillernden Illusionen ihrer Erscheinung (Maya) zu durchdringen.«

— Andro Andreas Rothe, www.diamond-lotus.eu

Erotische Mystik

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Der Schriftsteller und Maler Helmut Jansen verfolgt die Spur eines ekstatischen Lebensgefühls in untergegangene, lustfreundliche Epochen der Menschheit bis in die tantrische Kultur der Gegenwart. Hier ein Auszug seines Aufsatzes: »Die mystische Hochzeit«. Den gesamten Artikel von Helmut Jansen könnt ihr hier lesen (Alternatives Heilen).

Viele träumen davon, nur Wenige leben es

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Alles ist machbar im digitalen Zeitalter. Warum jubelt nur keiner? Steigert ein Schneller, ein Mehr, ein Jederzeit nicht die Lebensfreude? Oder wird alles einfach schneller langweilig? Es gab Epochen, da konnte alles geschehen. Unkalkulierbar. Unkontrolliert. Wildheit und Abenteuer dominierten statt Manipulation und Ordern im Cybermarkt des Internets.

Das Abenteuerliche und Wilde sind Qualitäten, die man heute noch schätzt, um das sexuelle Erleben zu intensivieren. Etliche träumen von phantastischen, erotischen Erlebnissen, jenseits des gleichförmigen Alltags und der Konventionen: Tausendundeine Nacht mit der Liebe des Lebens – allen Gefahren zum Trotz. Wenige nur leben dies in der Realität. Für viele ist das Sexuelle lediglich eine von vielen Nuancen im Fun-Spektrum. Oder es erscheint so ambivalent und so bedrohlich, dass es ausgeblendet wird – nicht der Rede wert und lieber dem Unbewussten zur Traumbelebung überlassen.

Was gibt es jenseits von Kondomkultur?

Kondom

Bewusstsein und Aufmerksamkeit gelten in der Sexualität überwiegend den »technischen« Aspekten. Und gibt es überhaupt andere, jenseits von Kondomkultur und Pornografie? Gab es sie je? Oder sind sie nur Illusionen eines romantischen Gemüts? Es gab ohne Zweifel Zeiten, in denen so etwas wie eine Sexualkultur existierte: eine Sinnlichkeit, die eingebettet war in das Mysterium des Lebendigseins. Sie schenkte den Menschen etwas Essentielles: Sinnhaftigkeit und gemeinschaftliche Lebensfreude.

Das Animalische, die Leere und der mystische »Playboy«

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Die tantrischen Tempel von Kajuraho sind ein augenfälliges Zeichen für diese ganz andere Einbindung des Geschlechtlichen. Im Ja zu allen Spielarten der Sinnlichkeit ist das Potenzial zu einem Heil- und Ganzwerden verborgen, einer Metamorphose in die Verwirklichung hinein. Außen verziert durch zahllose Darstellungen menschlicher Sexualität, sind diese Tantratempel im Inneren leer. Nach der Feier der natürlichen, animalischen Dimension unserer Existenz sind wir offen und leer für eine Erfahrung des Göttlichen. Das Zulassen beider Aspekte ist eine der großen Herausforderungen, ihre Synthese Ausdruck wahrer Menschwerdung.

Eine Version der Vollendung lebt Krishna. Der blaue Gott der hinduistischen Mythologie bandelt als »Playboy« im eigentlichen Sinn dieses Wortes mit jeder Frau seines Herzens an. Von sechzehntausend Hirtinnen zu einer einzigen Gelegenheit ist die Rede. Er spielt die Flöte, singt und tanzt, vergnügt sich und andere nach Herzenslust. Göttlich! Auch weil es aus dem Herzen kommt.

Krishna in einem See mit Frauen

Bereits Jahrtausende vor der Entdeckung der psychischen Doppelgeschlechtlichkeit des Menschen trägt Shiva, eine andere führende Gottheit des Hindupantheons, seine Geliebte Parvati ständig mit sich in seiner Brust. Shiva gilt auch als Autor des Vigyan Bhairav Tantra, der einhundert-undzwölf Methoden erotisch-mystischer Alchemie.

Erotische Göttinnen

Auch der Okzident und der vordere Orient haben glücklicherweise eine sündig-kreative Vergangenheit. Die Aufspaltung unseres Wesens in Heilige und Huren, in Gott und Teufel war im Altertum noch nicht vollzogen. Der Kult der ägyptischen Katzengöttin Bastet oder dionysische Ausschweifungen im griechischen Kulturkreis knüpften sinnenfroh an die archaischen Fruchtbarkeitsriten matriarchaler Kulturen an. Die Göttinnen der Liebe und der Lust waren zahl- und einflussreich: Venus, Aphrodite, Hathor, Astarte, Ischtar…

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Die »Männerquote« unter den Liebesgottheiten ist vergleichsweise bescheiden. Geblieben scheint uns von all dem nur der Karneval, ein paar Tage Hemmungslosigkeit, die jeder mystischen Dimension entkleidet wurde.

Anders als unseren Vorfahren ist es uns kaum vorstellbar, das Göttliche auch mit erotischen Attributen zu versehen. Das fällt in den westlichen Kulturen auch doppelt schwer, da ja die Chefetage der christlichen Religionen durchweg mit Männern besetzt ist. Und Maria in ihrer konsequenten Keuschheit, die im Rätsel der Jungfrauengeburt gipfelt, ist noch weniger geeignet, die Fantasie anzuregen.

Die erotischen Göttinnen der Moderne verkörpern indes kein Bild des Heiligen, des heilen Menschen. Die Filmstars und -sternchen verführen lediglich noch zum Konsum des Oberflächlichen und Illusionären. Mystik und Erotik, die Königskinder, können auf diese Weise nicht zueinander finden.

Relief-Darstellung eines Paares

Die Heilige Hochzeit

In den Tiefen des sexuellen Erlebens beginnt wirklich das Jenseitige. Das Sein jenseits der Worte, jenseits aller Dualität. Hier ist eine Erfahrung des Göttlichen möglich, dessen Teil wir ja immer waren und sind. Hieros Gamos, die heilige Hochzeit – so hieß in weiseren Zeiten die Einbindung des Göttlichen durch das Sexuelle. Zur Befruchtung des Lebens auf dieser Erde.

Hier verbirgt sich das Potential, neues Leben zu zeugen: Neue Wesen natürlich, aber auch neue Erfahrungen, neue Berührungen, neue Formen von Bewusstheit. Ein salto vitale ist möglich. Freude wird Jubel, Tanz und Gesang; Frieden und Dankbarkeit. Das nenne ich dann Kultur.

Alles Essentielle lässt sich weder kaufen, noch in Lehrbüchern finden. So sind auch Erotik und Mystik immer wieder ganz individuelle Erfahrungen. Und alles Reden und Schreiben hierüber kann nur eine Anregung bieten, sich zu öffnen für Kostbares und Köstliches …

— Helmut Jansen